Review Mobiltelefonie Schweiz (Januar 2006)

08.01.2006

Ausgangslage

Seit Sunrise (vormals diAx) [1] und Orange [2] als Mitbewerber von Swisscom [3] den Schweizer Mobilfunkmarkt betreten und damit einen Preissturz ausgelöst haben, hat sich seither der Mobilfunkmarkt bzw. die Mobilfunktarife nicht markant verändert. Einzig hat Tele2 vor einigen Jahren damit begonnen, ein auf Swisscom Prepaid basierende SIM-Karte als Tele2 Mobile zu verkaufen. Mit 0.88 bzw. 0.77 CHF pro Minute ist das unter Tele2 Mobile Prepaid [4] weiterhin vertriebene Angebot interessant gewesen, aber nicht wirklich günstig.

Tele2 Mobile City

Erstmals den Markt aufgescheucht hat Tele2 Mobile mit dem Start des vierten GSM Mobilfunknetzes in der Schweiz. Vorerst ist dieses Netz jedoch nur im Grossraum Zürich verfügbar - befindet man sich im Bereich dieser Abdeckung, erhält man ein sehr günstiges Mobilfunkangebot. Bei einer Monatsgebühr von 10.- CHF kann man mit Tele2 Mobile City Basic [5] innerhalb des City-Netzes von Tele2 kostenlos mobil telefonieren, für 0.08.- CHF pro Minute ins Festnetz anrufen und für 0.44.- CHF pro Minute alle anderen Schweizer Mobilnetze anrufen. Ausserhalb des City-Netzes von Tele2 fallen für alle Zielnetze einheitlich 0.44.- CHF pro Minute an. SMS ins In- und Ausland sind innerhalb des Tele2-City-Netzes gratis, ausserhalb kosten SMS 0.10.- CHF pro Stück. Mit Tele2 Mobile City Free [6] fällt keine Monatsgebühr an, dafür sind die Gebühren pro Minute höher: Vom Tele2 Mobile City-Netz auf Festnetz 0.20.-, City-Netz auf City-Netz 0.10.-, andere Netze 0.44.-, Anrufe von ausserhalb 0.44.- CHF pro Minute, SMS ab 0.10.- bis 0.20.- CHF pro Stück.


No-Frills Angebote

Beginnend mit der Marke Yallo [7] hat Sunrise ein erstes sog. No-Frills-Mobilfunkangebot auf einem GSM-Netz lanciert: Keine Monatsgebühr, nur Sprachdienste, SMS, Online-Verwaltung, keine weiteren Zusatzdienste. Orange hat mit Orangeclick [8] mit einem No-Frills-Angebot nachgezogen. Richtig aufgemischt wurde der Markt jedoch erst mit dem Einstieg von Migros mit M-Budget Mobile [9]. Es zogen in der Folge nicht nur Coop mit Coop Mobile [10], sondern auch noch Cablecom Mobile [11] nach. Bis Weihnachten 2005 setzte ein regelrechter Preiskampf mit bald täglichem Schlagabtausch ein: Mit Stand vom 8. Januar 2006 verfügt Cablecom Mobile über den billigsten Tarif für Anrufe ins Schweizer Festnetz (0.35.- CHF pro Minute), M-Budget Mobile den tiefsten Tarif für Anrufe in andere Mobilnetze (0.37.- CHF pro Minute). Orangeclick ist das günstigste Angebot - mit 0.39.- pro Minute - wo bis hin zu GPRS Internetzugang alle Mobilfunkdienste genutzt werden können.

Neue Preise, neue Marken, bisherige Anbieter

Der Kampf um die No-Frills-Tiefstpreisangebote bringt für den Kunden die grosse Freude der günstigen Minutentarife. Da ist es zu verschmerzen, dass hinter den No-Frills-Angeboten effektiv die bisherigen Mobilfunkanbieter stehen: M-Budget Mobile teamt mit Swisscom Mobile, Coop Mobile mit Orange, Yallo ist Sunrise und Cablecom hat mit Sunrise bzw. Yallo zusammen gespannt. Fakt ist, dass nun auf allen vier Schweizer Mobilfunknetzen ohne Abogebühr und ohne Vertragslaufzeit für maximal 0.44.- CHF pro Minute oder weniger mobil telefoniert werden kann.


Die Sache mit den Rufnummern

Bei Orangeclick, Yallo, Cablecom Mobile kann man sich online eine Wunschnummer zuteilen lassen (0.- bis dreistellige Beträge für gute Nummern). Wer eine liebgewonnene Rufnummer nicht einfach aufgeben will, tut gut daran, darauf zu achten, dass der neue Anbieter die Rufnummerportierung zulässt: Bei Yallo und M-Budget Mobile erhält man eine neue Rufnummer, bei allen anderen Angeboten ist die Mitnahme der bisherigen Rufnummer möglich, bei Tele2 Mobile City kann sogar die bisherige Festnetznummer zusätzlich auf den Mobilfunkanschluss portiert werden (sog. Mobile Festnetznummer, 4.90.- CHF pro Monat). Das Chaos mit den Vorwahlen ist nun perfekt: Es tummeln sich die Vorwahlen 077 (früher Natel C der Telecom PTT, heute Tele2 Mobile City und M-Budget Mobile), 076 (originär diAx bzw. Sunrise), 078 (Orange) und 079 (Swisscom) auf dem Markt. Mit der Tatsache der Hin- und Herportierung von Rufnummern hat man keine Transparenz mehr, in welches Netz man anruft.

Und die Abonnemente?

Auf der Strecke bleiben die Postpaid-Preispläne, im Volksmund auch Abonnemente genannt. Es sind zwar vermehrt Gratisminuten inbegriffen oder mit zunehmenden Gesprächsvolumen lediglich noch verbilligte Minutentarife fällig, meist jedoch werden trotz diesen Angeboten in der Regel höhere Minutentarife als mit den No-Frills-Angeboten bezahlt. Ein Abo lohnt sich für den normalen, privaten Mobilfunkkunden nur dann noch, wenn er neben Sprachtelefonie noch mobile Datenübertragung, regelmässiges Roaming im Ausland oder UMTS-Dienste nutzen möchte - wobei auch hier bereits Bewegung im Markt ist: Z.B. ermöglicht Sunrise mit seinem regulären Prepaidangebot Pronto die Nutzung von UMTS und mobilem Breitband (z.B. 100MB pro Monat für 20.- pro Monat). Es ist folglich absehbar, dass auch im Bereich der Abonnemente mit zunehmendem Druck der No-Frills-Angebote Preissenkungen oder Angebotserweiterungen kommen werden. Der höhere Preis für ein Postpaid-Preisplan weist ansonsten nur dann noch eine Daseinsberechtigung aus, solange die Mehrkosten gegenüber einem No-Frills-Angebot über die Mindestabodauer summiert geringer sind als der Kauf eines Mobiltelefons zum regulären, nicht subventionierten Vollpreis - tönt kompliziert und ist kompliziert.


Massiver Preiszerfall bei den mobilen Datendiensten

Für die grosse Allgemeinheit wenig relevant, aber den spektakulärsten Preiszerfall hat nicht etwa die Sprachtelefonie, sondern die Datenübertragung über ein GSM/GPRS/EDGE- oder UMTS-Mobilfunknetz durchgemacht: Bei Sunrise zum Beispiel sind die Preise von 20.- pro MB auf 3.50.- pro MB gefallen, bei der günstigsten Option sogar auf lediglich 0.025.- CHF pro MB, ein Preiszerfall von weit über 500%! Sogenannte mobile Daten-Flatrates (wobei keine eigentliche Flatrate vorliegt, sondern lediglich eine vorausbezahlte Maximalmenge die ein durchschnittlicher Surfer verbraucht) sind bei Swisscom [12] (1000MB à 89.- CHF pro Monat, GSM/GPRS/EDGE/UMTS), Orange [13] (2000MB à 49.- CHF pro Monat, GSM/GPRS/UMTS) und Sunrise [14] (2000MB à 49.- CHF pro Monat, GSM/GPRS/EDGE/UMTS) verfügbar, Sunrise bietet auch Surf-Bundles wie 5MB für 5.- CHF pro Monat, oder 100MB für 20.- CHF pro Monat.

Fazit

Obwohl einige Abos interessante Gratisminuten oder tiefere Tarife auf Handys im gleichen Mobilnetz bieten, fährt man in der Mischrechnung als durchschnittlicher Mobilfunknutzer (bis 180 Minuten/Monat) in jedem Fall mit M-Budget-Mobile am günstigsten. Wer dann noch mobile Datenübertragung braucht, schnappt sich ein einfacheres Nokia-Handy mit EDGE und Bluetooth als Modem und nutzt mit der billigsten Sunrise Libero Abovariante (0.- im Monat) mobiles Breitband bis 384 kbit/s mit GPRS/EDGE/UMTS (5.-/Monat für 5 MB, 20.- / Monat für 100MB).

Hinweis: Nicht mit einbezogen wurden in diesem Text spezielle Angebote der Mobilfunkanbieter für (grosse) Firmenkunden.

Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr und vorbehältlich von Preisänderungen

[1] http://www.sunrise.ch/
[2] http://www.orange.ch/
[3] http://www.swisscom.ch/
[4] http://www.tele2.ch/mobile/ger/
[5] http://www.tele2-mobile.ch/tarife/mobile-city.html
[6] http://www.tele2-mobile.ch/tarife/mobile-free.html
[7] http://www.yallo.ch/
[8] http://www.orangeclick.ch/
[9] http://www.m-budget-mobile.ch/
[10] http://www.coop-mobile.ch/
[11] http://www.cablecom.ch/mobile
[12] http://www.swisscom-mobile.ch/scm/gek_mobile-unlimited-de.aspx
[13] http://www.orange.ch/mobilesolutions/productsSolutions/umtsb/umtsMobileOffice
[14] http://www.sunrise.ch/privatkunden/mobiltelefonieren/mobilesbreitband.htm


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